, Herzig Anna, Geisel Jens

Geballte Frauenpower: Crew YCZ II trotzt Wind und Wellen

Segelbericht YCZ II Swiss Sailing Promotion League — ACT 1/2026 11.–12. April 2026 · J/70 · Brissago, Lago Maggiore.

Fünf Frauen, ein Boot, zwei Tage, null Ausreden. Das war die Ausgangslage, als YCZ II am frühen Samstagmorgen mit dem Zug unter erschwerten Bedingungen an die Ufer des Lago Maggiore anreiste, einem der schönsten Segelreviere der Schweiz. Brissago empfing die Flotte mit allem, was das Segel-Herz begehrt: Palmen am Ufer, Bergpanorama im Hintergrund, türkisfarbenes Wasser, Sonne und WIND!  

Vorbereitung: Was der Zugersee nicht hergibt. So idyllisch der Zugersee auch ist — für Starkwindtraining taugt er wenig. Als ausgesprochenes Leichtwindrevier verwöhnt er unsere Segler:innen mit sanften Brisen und schönen Abenden. Umso wichtiger waren die zwei Übungswochenenden organisiert vom YCZ (Böri und Team) sowie ein Zusatztraining für Team N’Joy und uns von Michi Adamcyk. Was dort an Manövern, Trimm und Reaktionsschnelligkeit erarbeitet wurde, zeigte in Brissago Wirkung: Die Crew konnte das starke Niveau im Feld mithalten.

Samstag: Bilderbuch auf dem Wasser. Sonne satt, Böen mit Biss. Claudia am Steuer, Kati am Gennaker, Afina mit dem taktischen Blick fürs große Bild, Anna am Bow und Caroline an der Fock — die Maschine lief. Und dann kam der Wind. Wirklich. Mitten am Nachmittag legte er plötzlich mit Böenspitzen bis zu 18kn derart zu, dass das Team kurz in eine kollektive Denkpause versank. Gennaker setzen? Das Fall war bereits in Annas Händen — aber der Blick nach hinten, der Blick auf die Welle, der Blick zur Konkurrenz (die teils bereits sehr engagiert mit Sonnenschüssen beschäftigt war) führte zur einzig vernünftigen Entscheidung: Gennaker bleibt unten.  Als einziges Team im Feld, wohlgemerkt. Während andere Crews ihr Bestes gaben, die bunte Tüte mit der Physik zu versöhnen, segelte YCZ II nüchtern, sauber und ohne unfreiwilliges Manöver auf Platz 6 ins Ziel. Trocken.

Samstagabend: Risotto, Kuchen und gute Gesellschaft. Was wäre ein Regattawochenende ohne den richtigen Abend dazwischen? Markus Bläsi hatte wieder einmal ganze Arbeit geleistet und den Abend mit dem Skiclub bei der Freiwilligen Feuerwehr organisiert — eine Tradition, die ihren Namen verdient. In der riesigen Pfanne köchelte der Risotto nach alter Art, selbstgemachter Kuchen wartete auf die erschöpften Crewmitglieder, und entlang der langen Tische entstanden genau die Gespräche, für die man eigentlich auch zu Regatten fährt: Analysen des Tages, Pläne für den nächsten, und Geschichten, die beim nächsten Mal wieder erzählt werden. Besten Dank, Markus — du weisst, dass ohne dich die Logistik und die Stimmung nicht halb so gut wären.

Sonntag: Etwas gnädiger, etwas grauer. Leichte Bewölkung, der Wind eine Nuance bescheidener als am Vortag. Das Feld war eingespielt und die Rangliste vorne klar, die Manöver sassen, und die Stimmung an Bord war trotz einer eher defensiven Gesamtbilanz bestens. Gesegelt wurde bis am Nachmittag kurz vor 15:00 und der Wind einschlief. 

Am Ende stand YCZ II im Gesamtklassement auf dem vorletzten Platz — aber mit einem Titel, den kein anderes Team beanspruchen kann: einziges reines Frauenteam im gesamten Feld. In einer Flotte, in der gemischte oder rein männliche Crews die Norm sind, braucht es schon eine gewisse Chuzpe, mit fünf Frauen an den Start zu gehen. 

Fazit: Vorletzte im Ranking, glücklich und zufrieden fuhren wir wieder mit dem Zug nach Zug, die schönste Stadt am Zugersee. Danke an Böri, Beat, Japp und Michi für die Vorbereitung!

Crew YCZ II: Steuer: Claudia Streuli · Bow: Anna Herzig · Fock: Caroline Weis  · Gennacker: Kati Anthes · Taktik: Afina Inina