Yacht Club Zug

Vereinsgeschichte Yacht Club Zug von 1942 – 2012

Im Jahr 1942 trafen sich Segelbegeisterte aus Zug und Cham und beschlossen die Gründung der Segelgilde Zugersee mit Sitz in Cham. Im Jahre 1943 bildeten sich daraus zwei Gruppen, Gruppe Cham und Gruppe Zug, aber immer noch unter einem Verein. 

Diese wurden rasch grösser und so entschied man sich 1947 zur Gründung des Segel Club Cham und des Yacht Club Zug.

Der Hauptgrund, weshalb unser Club „Yacht Club Zug“ benannt wurde, bestand darin, dass es damals üblich war, den ersten Segelclub am Ort als Yacht Club zu bezeichnen. Einigen Mitgliedern schien diese Bezeichnung etwas zu hoch gegriffen, bestand der Club zu dieser Zeit doch mehrheitlich aus Jollenseglern. Die drei Yachtbesitzer legten jedoch grossen Wert auf diesen Namen und machten auf die Gelegenheit aufmerksam, dass dieser damit für immer belegt sei.

Unter den Mitgliedern des Yacht Club Zug wurden Vorschläge für einen Clubstander gesammelt. Daraus wurde die Arbeit des bekannten Grafikers Eugen Hotz aus Baar ausgewählt. Dieser Clubstander ziert auch heute noch unsere Boote.

Von allem Anfang an waren die Mitglieder um ein geordnetes Vereinsleben sehr bemüht. Ein eigenes Vereinslokal war schon damals angestrebt worden, es dauerte jedoch bis ins Jahr 2000 bis ein eigenes Clubhaus eingeweiht werden konnte.

Bereits im ersten Vereinsjahr hatte der Club die Möglichkeit ein Grundstück in Böschenrot zu erwerben. Es wurden dazu von den Mitgliedern Anteilscheine gezeichnet. Wegen Meinungsverschiedenheiten zu diesem Kauf kam es sogar zum Ausschluss des damaligen Clubpräsidenten. Dieses Grundstück sorgte noch oft für rote Köpfe und hat dem Club einiges an Prozesskosten verursacht, trotzdem ist es einer der schönsten Plätze am Zugersee geblieben.

In den Jahren 1951 und 52 wurde der erste kleine Hafen bei der Badeanstalt Siehbach in Eigenleistung gebaut, heute sind noch die Piraten in diesem Hafen. In Böschenrot wurde gleichzeitig ein Landungssteg erstellt. Da jedoch damals ein Berufsfischer der Meinung war, die am Steg anlegenden Boote zerstörten den Schilfgürtel, obwohl der Steg ausserhalb des Schilfes war, musste die ganze Konstruktion wieder abgebaut werden. Das Schilf ist trotzdem zum grössten Teil verschwunden.

Auch das Regattafieber hatte in diesen Jahren die jungen, ehrgeizigen Segler gepackt. Bereits 1948 massen sich fünf Chamer H- Jollen-Eigner, zum Teil mit Zuger Vorschotern, an der Schweizermeisterschaft auf dem Bielersee mit der nationalen Elite. 1952 vertrat die erste H-Jolle die Farben des Yacht Club Zug an der internationalen Bodenseewoche. Zwei Jahre später waren es bereits drei, die es wissen wollten.

In den frühen 50er Jahren wurden in Zug die Starbootsegler immer aktiver. Sie erreichten nationale und internationale Spitzenpositionen. Die Flotte wurde rasch so gross und bekannt, dass man sich im Jahr 1961 zur Übernahme der internationalen Star-Schweizermeisterschaft entschliessen konnte.

Dies war der erste seglerische Grossanlass auf dem Zugersee. Das Areal des Badeplatzes Siehbach wurde grösstenteils mit einem Festzelt gedeckt. Diese Festwirtschaft erwies sich für das sportliche und gesellschaftliche Zusammensein von Aktiven und Publikum als idealer Treffpunkt. 

Zur Stationierung der über 40 gemeldeten Boote, es waren auch Teilnehmer aus USA am Start, wurde das Bojenfeld vergrössert. Nach der Meisterschaft konnten Mitglieder die Bojenplätze weiter benutzen.

Bis 1960 wurden Boote mehrheitlich aus Massivholz gebaut und mussten im Wasser stationiert werden, dazu standen das Bojenfeld vor der Schützenmatt und der kleine Hafen zur Verfügung. 

Im Bootsbau wurden durch Verwendung von Kunststoffen und Sperrholz grosse Fortschritte erzielt. Es entstanden die ersten Kunststoff-Finnjollen und aus Bootssperrholz wurden Moth’s gebaut. Diese Materialien erlaubte das Stationieren der Boote an Lande. 

Der erste Trockenplatz entstand entlang der Grenzmauer des Badeplatzes Siehbach. Auf der gegenüber liegenden Wiese wurde der Platz vergrössert, der Weidezaun versetzt und es konnten weitere Boote stationiert werden. 

Mit dem Abriss der Bootswerft Weber, welche hinter dem Ruderclubgebäude stand, wurde der bestehende Trockenplatz nach Westen ausgebaut, planiert und mit einem Belag versehen. Das war eine sehr komfortable Situation. 

Es entstanden sehr aktive Moth-, Vaurien- und 505er Flotten, deren Mitglieder zahlreiche Regattaerfolge erzielten.

Ein eigenes Clublokal war nach wie vor ein grosses Ziel vom YCZ. Unzählige Pläne und Eingaben wurden in all den Jahren bei der Stadt eingereicht und immer erhielt der Verein die Antwort “das lösen wir dann mit der Seeufergestaltung“. 

Mitte der 60 er Jahre konnte der YCZ im „Alten Bürgerasyl“ den ersten und zweiten Stock mieten. Dies war der erste Schritt zum eigenen Clublokal. Viele vermissten den direkten Seeanstoss, doch konnte der Verein zum ersten Mal Veranstaltungen in eigenen Räumen durchführen. Einige aktive Segler bauten im Keller eine lauschige Bar, es gab auch tolle Feste dort, allerdings bei hohem Wasserstand im See war das Grundwasser auch hinter der Bar anzutreffen!

Trotz vielen Pinselrenovationen in den Clubräumen gelang es nicht, das Haus das ganze Jahr zu benützen. Im Winter musste zu Vereinsanlässen Skiunterwäsche getragen werden. Auch die Kücheneinrichtung war äusserst einfach. Trotz diesen schwierigen Bedingungen organisierte der YCZ viele internationale Meisterschaften. Für einige, zum Beispiel der SM der Piraten 1980 oder 1985 mit den 505 welche mit über 70 Booten antraten, wurde auf dem Platz vor dem Haus trotzdem ein grosses Zelt notwendig.   

In dieser Zeit entstand auch die Vereinszeitschrift „Horbächler“. Die Idee dahinter war, die vielen einzelnen Postversendungen zu optimieren, ein Kommunikationsmittel zwischen Vorstand und Mitgliedern zu erhalten und auch über Anlässe zu informieren. Mit fünf Ausgaben pro Jahr war das Ziel der Information sehr gut gelungen.    

Die aktive Regattatätigkeit im Club nahm weiter zu. Ab 1967 wurde die Zugerseemeisterschaft an zwei Wochenenden ausgetragen, da sich jeweils über 140 Boote angemeldet hatten.  

Im Jahr 1976 gründet der YCZ seine erste Jugendgruppe mit dem Kauf von fünf Optimisten aus einer Konkursmasse. Der erste Kindersegelkurs im Optimist mit zehn Booten (fünf Club- und fünf private Boote) wurde durchgeführt. Auch Böschenrot wurde 1981 durch die Optisegler besucht. Ein „Piratenwochenende“ hielt die Tradition hoch, dass man mit dem Boot an den Chiemen segelt. 

Damit der grosse Andrang an segelbegeisterten Kindern bewältigt werden konnte, wurde ein Zweimann-Juniorenboot gesucht. Dieses wurde mit dem „Mirror“ gefunden. Eine günstige Jolle zum selber bauen mit grosser Verbreitung, vor allem in England. Im Sommer 1982 wurden die ersten Mirrorbausätze bestellt und gebaut. Nun konnte die Ausbildung der jungen Segler und Seglerinnen wesentlich verbessert werden. Die Flotte umfasste sieben Boote, welche auch mit Spinnaker gesegelt werden konnten. Daraus wuchs später die 420er Flotte. Viele Junioren nahmen mit Erfolg an nationalen und internationalen Regatten teil.

Mitte der 70er Jahre entstand der Hafen Zug. Es waren vor allem Mitglieder des Yacht Club, welche eine Bootshafengenossenschaft gründeten und den Hafenneubau vorantrieben. Dadurch konnte das Stationieren von Yachten wesentlich erweitert werden und verhalf dem Club zu grossem Wachstum.

Mitte der 90er Jahre wurde mit dem ersten Teil der Seeufergestaltung der Trockenplatz für Jollen an den heutigen Standort verlegt.

Nach dem Baustopp hatte die Seeufergestaltung einige Hürden, Sparrunden und Volksabstimmungen zu überstehen. Endlich im Jahr 2000 war es dann soweit. Unser neues, eigenes Clubhaus am Hafenplatz konnte eingeweiht werden.

Ein grosser Meilenstein in der Clubgeschichte war nach über 50 Jahren erreicht. Zum ersten Mal haben wir Duschen zur Verfügung, im Frühling geheizte Garderoben und einen grosszügigen, wunderschönen Clubraum für Vereinshöck, Kurse und zum Erzählen von Segelerlebnissen, sprich Seemannsgarn. 

Im Sommer 2003 konnten wir als einmaliges Ereignis im Clubraum den legendären „ America‘s Cup“, die älteste Sporttrophäe der Welt, welche zum ersten Mal in Europa war, zeigen. Gewonnen wurde der Pokal von der Schweizer Yacht „Alinghi“ und nach Zug kam er, weil die Firma Serono, eine ehemalige Firma von Alinghibesitzer Ernesto Bertarelli, in Steinhausen lokalisiert war. 

Bis ins Jahr 2012 führten 19 Präsidenten den Verein durch Sturm und Flauten. Vom regen Clubleben zeugen die 13 Wimpel vom Landesverband als Anerkennung für die erfolgreiche Durchführung von Schweizermeisterschaften. 

 

Verfasser: Bruno Oldani  /  Ruth Oldani  /  Martin Zünti

April 2012